Gender Pay Gap: Bei schneller Rückkehr sind es 4 Prozent

karrieretrends-news-iw-koeln-logoDer durchschnittliche Abstand in den Bruttostundenlöhnen zwischen erwerbstätigen Frauen und Männern zwischen 15 und 65 Jahren betrug im Jahr 2008 etwa 29 Prozent. Wird berücksichtigt, dass Männer und Frauen sich bei verschiedenen Merkmalen – zum Beispiel beim Bildungsstand, bei der Berufserfahrung, der Berufs- und Branchenwahl oder beim Erwerbsumfang – unterscheiden, reduziert sich die Lohnlücke auf 13 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW), das bei seinen Berechnungen jeweils vergleichbare Erwerbsbiografien für die Geschlechter zugrunde legte – also die Stundenlöhne von Männern und Frauen mit gleicher Qualifikation, der gleichen Berufserfahrung, dem gleichen beruflichen Status, gleichen Zeiten der Arbeitslosigkeit usw.

Ein wichtiger Grund für die Verdienstlücke zwischen Männern und Frauen sind der Untersuchung zufolge die bei Frauen öfter zu beobachtenden Unterbrechungen des Erwerbslebens – sei es, um ein Kind zu versorgen, um Eltern zu pflegen oder aus anderen Gründen. Vor allem längere Pausen seien Gift für die Lohnentwicklung, betonten die Experten. Je länger Frauen dem Arbeitsleben fernbleiben, desto größer ist der Lohnabstand bei ihrer Rückkehr. Frauen, die nach einer Babypause dagegen sehr schnell – innerhalb von 18 Monaten – wieder in den Beruf zurückkehrten, mussten der Untersuchung zufolge im Schnitt “nur” eine Lohnlücke von vier Prozent in Kauf nehmen. Um die Lohnlücke zu schließen, sei es deshalb wichtig, das Betreuungsangebot für Kinder unter drei Jahren und das Angebot an Ganztagesplätzen für Kinder auszubauen. Auch eine gleichmäßigere Aufteilung der familienbedingten Auszeiten zwischen Müttern und Vätern könne dabei helfen.

Die Erweiterung der empirischen Analyse um eine regionale Perspektive zeigt, dass die Lohnlücke in Kernstädten kleiner ausfällt als in ländlichen Gebieten. Ein Grund für diesen Befund ist, dass die Merkmalsunterschiede zwischen Männern und Frauen in diesen Regionen größer sind als in Kernstädten. Weiterhin existieren Hinweise, dass klassische Rollenbilder in ländlichen Gebieten stärker ausgeprägt sind als in Städten und zu einer höheren Lohnlücke beitragen.

Die Studie Gender Pay Gap: Gesamtwirtschaftliche Evidenz und regionale Unterschiede ist als PDF verfügbar.

Bildquelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) / www.iwkoeln.de

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    Frauen verdienen im Schnitt weniger als Männer – und der Abstand beim Lohn wird mit steigendem Alter immer größer. Darauf weist das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln hin. Es beruft sich auf Daten des Statistischen Bundesamtes. Demnach werden 20-Jährige im Schnitt noch nahezu gleich bezahlt: Frauen erhalten in diesem Alter 3,4 Prozent weniger brutto pro Stunde als Männer. Die Lohnschere öffnet sich etwa im Alter von 30 Jahren, wenn Frauen oft ihr erstes Kind bekommen. Dann beträgt der Abstand bereits ein Zehntel (10,3 Prozent). Er wächst auf ein Viertel (24,2) im Alter von 40 Jahren und erreicht mit 60 fast ein Drittel (30,5).

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