Was ist eigentlich Mitteldeutschland?

karrieretrends-news-mitteldeutschlandMitteldeutscher Rundfunk, Mitteldeutsche Zeitung, Mitteldeutscher Marathon, Mitteldeutscher Verkehrsverbund oder Wirtschaftsregion Mitteldeutschland – viele Institutionen und Aktivitäten beinhalten den Begriff Mitteldeutschland. Aber wo liegt Mitteldeutschland, was ist Mitteldeutschland?

Mitteldeutschland ist zunächst einmal ein geografischer Begriff, der für verschiedene Regionen Deutschlands gebraucht wird. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff speziell für das Gebiet um Halle-Leipzig gebraucht, wo man vom “Mitteldeutschen Industrierevier” sprach. Seit der Wiedervereinigung werden damit meist die drei deutschen Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bezeichnet.

Wirtschaft in Mitteldeutschland

Mitteldeutschland hat eine weit zurückreichende Tradition. zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Region die innovativste und leistungsfähigste Wirtschaftsregion in Deutschland. Die Liste der Innovationen ist lang: das erste Ganzmetallflugzeug der Junkerswerke aus Dessau, der erste Farbfilm von Agfa aus Wolfen, die erste Kleinbild-Kamera von Zeiss-Ikon aus Dresden, die erste Trommelwaschmaschine aus Schwarzenberg, die Herstellung synthetischen Kautschuks in BUNA oder die ersten Würstchen aus der Dose aus Halberstadt.

Heute befindet sich Mitteldeutschland nicht mehr in der Mitte Deutschlands, wohl aber in der Mitte Europas. In einem Radius von rund 100 Kilometern konzentrieren sich Unternehmen wie Dow Chemical, Q-Cells, AMD, BMW oder Schott. Diese international agierenden Unternehmen haben die Region zu einem der führenden Standorte für Direktinvestitionen in Europa wachsen lassen.

Zu den wichtigen Sektoren zählen heute die Automobilindustrie, die Logistikbranche, die Chemiebranche, die Opto- und Mikroelektronik, die Biotechnologie sowie die Ernährungswirtschaft und die Informationstechnologie. Seit mehreren Jahren entwickelt sich die Region Mitteldeutschland zu eine der zentralen Solarindustriestandorte weltweit.

Untersuchungen der Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland haben ergeben, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP), ein ökonomischer Gradmesser der wirtschaftlichen Leistungskraft, in Mitteldeutschland kräftig zugelegt hat. Zwischen 2000 und 2006 stieg das BIP um zehn Prozent auf 184,8 Milliarden Euro. Damit lag die Steigerung um vier Prozentpunkte über dem bundesweiten Durchschnitt.

Wissenschaft in Mitteldeutschland

Die Basis für Innovationen sind Forschung und Entwicklung. Ähnlich dem Meissener Porzellan ließen sich Tausende Erfindungen aufzählen, die ihren Ursprung in Mitteldeutschland haben.

Die moderne Wissenschaft in Mitteldeutschland kann ebenfalls auf eine traditionsreiche Geschichte verweisen. Bereits 1392 wurde die Hochschule in Erfurt gegründet, 1409 folgte die Universität Leipzig. Seit 1765 besteht in Freiberg die Bergakademie, die älteste montanwissenschaftliche Hochschule der Welt. Mit der Veranschaulichung des Vakuums läutete Otto von Guericke 1654 in Magdeburg das Zeitalter der Experimentalphysik ein. Ebenso ist die Gründung des “Glastechnischen Laboratoriums SCHOTT & Genossen” ein Beispiel für die Verbindung von Forschung und Wirtschaft.

In Mitteldeutschland gibt es heute 48 Hochschulen sowie mehr als 40 Institute der nationalen Max-Planck-. Leibniz-, Fraunhofer und Helmholtzgesellschaften. Seit 2008 ist mit der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle auch die Nationale Akademie der Wissenschaften in Mitteldeutschland verortet. Zuletzt erhielten Ende April 2008 fünf Standorte in Mitteldeutschland durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung 31,25 Millionen Euro für den weiteren Aufbau von Spitzenforschung. Das unterstreicht einmal mehr die bereits bestehende Qualität der Standorte. Mit der Vielzahl dieser lehrenden, forschenden und entwickelnden Einrichtungen ist Mitteldeutschland heute zu einem der dichtesten Wissenschaftsräume in Europa herangewachsen.

Kultur in Mitteldeutschland

Die Region Mitteldeutschland ist ein Schauplatz großer geistesgeschichtlicher und politischer Wandlungen: Ausgangspunkt der Reformation, Zentrum der deutschen Aufklärung bis hin zur friedlichen Revolution von 1989.

Die einzigartige Kulturgeschichte der Region Mitteldeutschland lässt sich an zahlreichen Personen festmachen: Kaiser Barbarossa, Martin Luther, Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach, Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Darüber hinaus sind Kulturstätten wie die Franckeschen Stiftungen in Halle, das Bauhaus von Gropius in Dessau oder das Gartenreich Dessau-Wörlitz zu nennen. Die Liste ließe sich fast ohne Ende fortführen.

Heute stellt die einzigartige mitteldeutsche Kulturlandschaft einen wichtigen weichen Standortfaktor für die wirtschaftliche Entwicklung dar. Die Region Mitteldeutschland verfügt über einzigartige touristische und kulturelle Schätze, die es lohnen, erkundet zu werden.

Karrierrechancen in Mitteldeutschland

Für die Entscheidung, wo der eigene Lebens- und Arbeitmittelpunkt liegt, ist die Verfügbarkeit von Einstiegsmöglichkeiten in die Arbeitswelt wesentlich. Viele Studierende haben immer noch Vorurteile gegenüber der Region und ihren Chancen. Die enormen strukturellen Veränderungen nach der friedlichen Revolution waren zunächst gekennzeichnet von Arbeitsplatzabbau. Dass hat bei vielen ein Bild geprägt, welches der heutigen Realität nicht mehr entspricht.

Die Zahl der 15- bis 64-Jährigen, das ist der Anteil der Bevölkerung, der sich im erwerbsfähigen Alter befindet, wird nach Berechnungen des Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo) in Dresden in Ostdeutschland im Zeitraum von 2005 bis 2020 um etwa 16,5% zurückgehen. Die Abwanderungstendenzen aus der Region in der Vergangenheit sowie die demographische Veränderungen (Anstieg der Altersstruktur) in den Unternehmen werden in Zukunft also dazu führen, dass junge gut ausgebildete Studierende und Absolventen gefragt sein werden – in vielen Bereichen bereits gefragt sind. Dabei handelt es sich nicht allein um die Absolventen der ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge. Geisteswissenschaftler, Naturwissenschaftler, Wirtschaftswissenschaftler, Sprachwissenschaftler, Juristen, Designer oder Informatiker sind ebenso gefragt.

Die geringe Vergütung wird häufig als ein wesentlicher Grund angeführt, den Weggang aus der Region zu begründen. Dabei liegen die Verdienstmöglichkeiten nicht generell unter dem Bundesdurchschnitt. Branchen, in denen den Fachkräftebedarf besonders hoch ist, zahlen deutschlandweit vergleichbare Gehälter. Noch dazu relativieren sich niedrigere Gehälter unter Berücksichtigung der Lebenshaltungskosten. Viele Unternehmen müssen allerdings auch noch erkennen, dass ihre Attraktivität für Absolventen mitteldeutscher Hochschulen steigt. Dazu zählt nach Aussagen des Präsidenten des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Professor Dr. Ulrich Blum, auch die Anpassung von Gehältern.

Allein die Verbesserung von Verdienstmöglichkeiten schafft eine Attraktivitätssteigerung allerdings nicht. So unterstreicht Heidemarie Rubart, Sprecherin des Verbunds für Rück- und Zuwanderung, dass Faktoren wie die Entfristung von Beschäftigungsverhältnissen, familienfreundliche Angebote sowie Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten im Unternehmen wesentlich für die Entscheidung sind, in Mittel- und Ostdeutschland zu leben und zu arbeiten.

Dr. Thomas Spengler, Universitätsprofessor an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg fügt ergänzend hinzu, dass die Angebote für einen interessanten Jobeinstieg verhanden sind, die Studierenden und Absolventen diese aber auch Suchen und Nutzen müssen.

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